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Lage: Im Infohäuschen auf dem Parkplatz am Waldstein Waldstein 1 95239 Zell im Fichtelgebirge
Koordinaten: 50.12924, 11.85038
Seit 200 Jahren ist der Waldstein ein beliebtes Ausflugsziel. Kein Wunder, denn Natur und Kultur sind hier aufs engste miteinander verwoben: Seit der Steinzeit haben hier oben Menschen mit Unterbrechungen gesiedelt und ihre Spuren hinterlassen. Heute ist der Waldsteingipfel mit den Resten der beiden Burgen und der spätromanischen Kapelle aus dem Mittelalter von besonderer Bedeutung für die Denkmalpflege. Die historischen Mauern und Besteigungsanlagen wurden umfangreich saniert und seit November 2024 empfängt der Waldstein Besucher in neuem Glanz.
Das Waldstein-Gebiet liegt auf 810 bis 877 m ü.NN im Naturpark Fichtelgebirge. Die Wälder im Eigentum des Freistaats Bayern gehören zum Forstbetrieb Selb der Bayerischen Staatsforsten.
Bereits 1950 wurde der Waldsteingipfel als Naturschutzgebiet unter Schutz gestellt. Um eine natürliche Waldentwicklung zu ermöglichen und als Beispiel für Lehre und Forschung wurde der Waldstein in den 1970er Jahren zudem als Naturwaldreservat ausgewiesen. Seitdem wurde die forstliche Bewirtschaftung, mit Ausnahme von Forstschutzmaßnahmen, eingestellt. Eine Besonderheit sind die montanen Fichtenwälder, die hier durch Einfluss von Kaltluft natürlicherweise vorkommen. Bemerkenswert sind auch die Relikte von Laubwaldbeständen aus Waldmeister-Buchenwald. Der hohe Anteil an Totholz und Biotopbäumen ist naturschutzfachlich sehr wertvoll. An vielen Bäumen kann man Pilzkonsolen z.B. vom Zunderschwamm bewundern. Das Granitgestein prägt die beeindruckenden Felsformationen. Die typischen Verwitterungsformen der sog. Wollsack- und Matratzenverwitterung sind hier gut zu beobachten. Botanisch bedeutsam sind die Felsen mit Felsspaltenvegetation, wo seltene Moose und Flechten wachsen. Das am sauren Granitgestein ungewöhnliche Vorkommen von kalkliebenden Arten wie Mauerraute und Zerbrechlicher Blasenfarn erklärt sich aus der Mauerfugengesellschaft der Burgruinen mit entsprechenden kalkhaltigen Substraten. Aufgrund seiner europaweiten Bedeutung ist der Waldstein zudem Teil des europäischen Biotopverbunds "NATURA 2000".
Auf den ausgewiesenen Wegen können Besucher Siedlungsgeschichte, imposante Felsformationen und urwüchsigen Wald hautnah erleben und faszinierende Ausblicke genießen. Vom Aussichtspunkt "Schüssel" lässt sich ein Blick weit übers Land genießen – wunderschön beschrieben im Jahr 1950, als der Waldstein unter Naturschutz gestellt wurde: "Im Osten liegt vor uns der breite Rücken des Waldsteinzuges, der mit dem ruinengekrönten Epprechtstein einen würdigen Abschluss findet. Dahinter wölbt sich die Kuppe des großen Kornberges. Südlich breitet sich zu unseren Füßen die Weißenstädter Mulde aus. Weiter zurück liegen die Felstürme des Rudolphsteins und die höchste Erhebung des Fichtelgebirges, der Schneeberg. Die Hohe Matze schließt sich an und weiter westlich der Ochsenkopf mit dem Asenturm. Tiefer im Süden grüßt die doppelgipfelige Kösseine. Ihre nordöstliche Abdachung ist die Luisenburg. Jenseits blauen die waldigen Höhen des Steinwaldes. Im äußersten Südosten erkennen wir die seltsam gestaltete Dreifaltigkeitskirche in Waldsassen. Das saubere und freundliche Städtchen Weißenstadt liegt südöstlich vor uns mit dem Buchberg als Hintergrund. Die Orte Marktleuten, der trutzige Turm der Burgruine Thierstein und der Hengstberg mit seinen Laubwaldbeständen fallen in dieser Richtung besonders auf. Im Norden entzückt uns in der Senke ein bunter Wechsel von Teichen und zahlreichen Siedlungen. Der Blick reicht bis zum Döbraberg, der höchsten Erhebung des Frankenwaldes. Von den Ortschaften erkennen wir Sparneck, Helmbrechts, Münchberg, Schwarzenbach a.d.S., Oberkotzau und Teile von Hof. Im Westen finden wir die Plassenburg, das Schloß Banz, die Veste Coburg und wenn man Glück hat, zeichnen sich am Horizont die beiden Gleichen des Thüringer Waldes ab." (Quelle: Gutachten zur NSG-Ausweisung, Regierungsbeauftragter für Naturschutz in Oberfranken K. Kronberger, 1950).
Wer sich nach der Wanderung stärken möchte, findet im 1853 gebauten "Hospiz Waldstein" Einkehrmöglichkeit. In heute neuen Räumlichkeiten, aber an gleicher Stelle sorgt die Ausflugsgaststätte Waldsteinhaus (Waldstein 1, 95239 Zell im Fichtelgebirge) für das leibliche Wohl der Besucher!